…und plötzlich war die Angst weg

Hineingeboren in Angst

Ich bin Jahrgang 1942, also noch im Krieg geboren. Die Verlustangst meiner Mutter, ob ihr Mann jemals noch gesund aus dem Krieg zurückkommt und auch die Existenzangst um das eigene Leben, allein mit einem neugeborenen Sohn, hatte sich sicherlich - wenn nicht genetisch- dann aber energetisch auf mich übertragen. So hatte auch ich als Baby und Kind Angst vor dem Leben.

Das drückte sich schon dadurch aus, dass ich nach meiner Geburt die Muttermilch immer erbrechen musste und 6 Wochen alleine in einem Krankenhaus lag, ohne dass meine Mutter mich besuchte, wie sie mir später mitteilte. Ich hätte das ja ohnehin nicht mitbekommen. Von wegen!

Ich bin dann in der Eifel in einer streng katholischen Umgebung aufgewachsen und sehr schnell stellte sich auch die Angst vor Gott ein. Als Messdiener „musste“ ich ein reines und tadelloses Leben vor Gott führen, worüber nicht nur meine Eltern wachten, sondern auch der Lehrer und insbesondere der Pfarrer. Da ich diesen als Stellvertreter Gottes anzusehen hatte, war die Angst, Gott nicht zu genügen, wenn ich nach der Beichte und vor dem Kommuniongang doch wieder „unkeusche Gedanken“ hatte, so groß, dass ich häufig kurz vor dem Gang zur Kommunionbank einfach ohnmächtig wurde.

Später erkannte ich, dass dieser unbewusste Ablauf auch damit zusammenhing, dass ich Angst vor den Menschen hatte, was diese über mich denken könnten, wenn ich „als sogenannter Sünder“ noch zur Kommunionbank ging.
Später dann in der Schule ging die Angst vor Strafe einher mit den Ansprüchen der Erwachsenen nicht zu genügen. Der Pfarrer zitierte zwar die Bibel, dass die Liebe alle Furcht und Angst vertreibt, lebte selbst aber nicht die Liebe, wenn er und auch die Lehrer die Prügelstrafe praktizierten.

Nach dem Krieg gab es ja für uns Schulkinder alle eine sogenannte „Schulspeisung“ und die beliebten Care-Pakete aus dem Marshall-Plan der USA. Auch hier musste ich wieder feststellen, dass sich eine Angst davor, nicht zu kurz zu kommen und somit eine Konkurrenzangst einstellte.

Vergebliche Suche nach Sicherheit

Als sich dann als Jugendlicher meine ersten Erfahrungen mit Frauen machen durfte, stellte sich schon praktisch als logische Folge eine Angst vor Verlassen werden, als ein sogenannter „Liebesverlust“ ein. Wenn es im Hiob heißt: „Das, was ich befürchtete, ist über mich gekommen“, dann galt das auch für meine Beziehungen zu Frauen. Und weil ich damals diese Urangst in der Beziehung zu meiner Mutter noch nicht verarbeiten konnte und Gott, die wahre Liebe, auch noch nicht kennengelernt hatte, sind schließlich auch 2 Ehen in die Brüche gegangen.

Ich habe die verschiedenen Formen der Angst in meinem Leben nur erwähnt, um das ganze Spektrum aufzuzeigen, dass sich jemandem entgegenstellen kann, der von Anfang an aber für etwas anderes berufen ist und dass dieses Spektrum durch Glauben und Vertrauen an Gott, das Gute, überwindbar ist.

Seit 2005 kenne ich die Bewegung WORT+GEIST, zu der mich ausgerechnet meine 2. Ehefrau noch hingeführt hatte. Ich habe am eigenen Leben feststellt, dass die Prediger dort recht haben, wenn sie sagen: „Angst ist der Teufel pur.“
alt

...und plötzlich war die Angst weg

Nun hatte ich vor 3 Jahren ein einschneidendes Erlebnis, das mir deutlich gemacht hat wie viel von diesen Ängsten schon gegangen ist.

Vor 3 Jahren musste die Batterie des Herzschrittmachers in meinem Körper erneuert werden. Dies sollte ein kleiner ambulanter Eingriff ohne Krankenhausaufenthalt sein. Als ich am gleichen Tag abends einen Freund anrief, um mich abzuholen, kam der Chefarzt auf mich zu und sagte: „Herr P., es tut mir leid, wir müssen nochmal alles aufmachen, ich habe die Sonden vertauscht.“

Ich wusste bis dahin noch nicht einmal, dass ich 2 Sonden von der Batterie zum Herzen hatte. Am liebsten wollte er noch am gleichen Tag mich erneut in den OP-Raum zurückfahren lassen, aber ich schaute ihn nur mit großen Augen an – innerlich vollkommen ruhig und ohne irgendeine Spur von Angst – und sagte ihm, dass mir das am nächsten Tag lieber wäre. Das hat er dann auch sofort akzeptiert, weil es ja seine Angst war, es könnte etwas mit mir passieren, und dann hätte er das ja verbockt.

Nach einer Nacht auf der Intensivstation wurde ich am nächsten Morgen erneut in den OP-Raum geschoben. Und dann passierte mir etwas, was ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt hatte: Plötzlich kam Freude auf! Ich freute mich regelrecht auf diese 2. OP. Und das in einer Situation, wo ich aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen wie Espenlaub vor Angst gezittert hätte (2 Jahre zuvor hatte ich noch einen Schlaganfall, der folgenlos ausgeheilt ist). Das war absolut übernatürlich! Ich scherzte dann noch mit dem OP-Personal.

Ein Leben im Vertrauen

Später las ich am gleichen Abend zu Hause im Buch „Allmächtig“ von Helmut Bauer auf Seite 59: „Es ist wichtig, als Erstes zu lernen, diese Energie, diesen Christus, dieses neue Leben, tatsächlich zu aktivieren. Das geschieht durch Glauben. Ich vertraue also und weiß, dass ich in jeder Situation eine Energie in mir habe, die in dem richtigen Moment wirksam ist und all die negativen Gedanken und daraus resultierenden Gefühle wegnimmt.“

Peter